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"Erika Steinbach ist eine Heuchlerin"
Im Gespräch mit der polen-rundschau greift der ehemalige polnische Außenminister Władysław Bartoszewski scharf die Politik von Erika Steinbach an. Er nennt sie eine "Lügnerin und Heuchlerin" und sieht durch ihre Arbeit das deutsch- polnische Verhältnis belastet. Lesen Sie hier Auszüge aus dem Interview.
Władysław Bartoszewski im GesprächWładysław Bartoszewski gilt als Autorität in Sachen deutsch-polnische Beziehungen. Von 1990-1995 war er Botschafter Polens in Österreich, 1995 und 2000 Außenminister, und von 1997 bis 2001 Senator für Warschau. Der politisch konservative Bartoszewski legt Wert auf seine Unabhängigkeit: "Ich war nie in irgendeiner Partei."

In der Vergangenheit hat sich Bartoszewski immer wieder in die Debatte um die deutsch-polnischen Beziehungen eingemischt. Besonders der Streit um das vom Bund der Vertriebenen und dessen Präsidentin Erika Steinbach (CDU) propagierte Zentrum gegen Vertreibungen beschäftigt den für seine emotionale Redeweise und seine deutlichen Worte bekannten Politiker.

Die polen-rundschau hatte am 8. Februar 2006 die Gelegenheit, Władysław Bartoszewski in seinem Warschauer Büro zu besuchen.

Auszüge aus dem Interview

pr: Die neue Regierung ist seit 100 Tagen im Amt, der Präsident auf dem Weg nach Washington. Welche außenpolitischen Vorschläge würden Sie als ehemaliger Außenminister Premier Marcinkiewicz derzeit machen?

Bartoszewski: Der Premier hat einen sehr guten Außenminister und braucht meine Vorschläge nicht. Stefan Meller war fünf Jahre Botschafter in Paris, drei Jahre lang in Moskau und zweimal
Vizeaußenminister. Diese Erfahrung im Amt und seine Hochschulprofessur reichen da völlig aus.

pr: Anders herum: Was wären Ihre Wünsche für die nächsten vier Jahre an Stefan Meller?

Władysław Bartoszewski im GesprächBartoszewski: In der Außenpolitik plant man nicht nur für vier Jahre und auch nicht nur für eine Kadenz. Im polnischen Staatsinteresse liegen geordnete Beziehungen mit allen Nachbarn und besonders vorzügliche Beziehungen mit den Nachbarländern, mit denen das vertraglich vereinbart wurde.

Hier denke ich an Deutschland, Tschechien, die Slowakei, die sich von Anfang an verpflichtet haben, mit uns zusammen zu arbeiten. Daran hat sich Deutschland gehalten, zum Beispiel bei der Unterstützung des polnischen Weges in die NATO und die Europäische Union. (...)

Die [derzeitige] Krise haben einige Populisten in Deutschland ausgelöst und einige polnische Populisten haben es angeheizt. Als ich das Amt des Außenministers verlassen habe, war alles in Ordnung. Aber dann fing Frau Steinbach an.

pr: Würden Sie gemeinsam mit Frau Steinbach auftreten?

Bartoszewski: Niemals! Niemand in Polen würde das tun. Weil sie keine Heimatvertriebene ist, sie ist eine Lügnerin und Heuchlerin. Sie kommt aus Hanau, ihr Vater aus Hessen, sie wurde nicht vertrieben, sie ist das Kind eines Besatzungssoldaten. Dagegen ist an sich nichts einzuwenden. Bundespräsident Horst Köhler hat eine ähnliche Herkunft und rühmt sich auch nicht, er wäre ein Heimatvertriebener. Er hat Recht.

pr: Wenn also die deutsch-polnischen Beziehungen besser werden sollen, muss Frau Steinbach Ihrer Ansicht nach weg?

Bartoszewski: Ohne Zweifel. Wir sind gegen die Manipulierung der Geschichte. Die aktuelle Krise haben populistische Tendenzen einer kleinen Gruppe in Deutschland hervorgerufen und darauf antworteten polnische Populisten, die dadurch gewählt wurden. (...)

pr: Aber über Vertreibung darf schon gesprochen werden?

Bartoszewski: Natürlich. Das Problem kann man doch weiterhin erforschen. Die neue Ausstellung im Haus der Geschichte in Bonn haben wir in unseren Medien in Polen doch positiv bewertet. (...) [Sie ist ein gutes Beispiel, pr] dass man versuchen kann, das Thema aufzuzeigen. (...) Man kann alles gemeinsam tun, aber unter Ausklammerung skandalöser Personen. Weder die Autoren der berüchtigten Karikaturen im polnischen Nachrichtenmagazin Wprost , noch Frau Steinbach selbst sind fähig zum Dialog.


Das gesamte Interview finden Sie  in der Februar-Ausgabe der polen-rundschau (Nr.2/2006).

Autor: Mirko Kaupat / Carsten Lißmann / Heiko Lossie   
Samstag, 18 Februar 2006
Letzte Aktualisierung ( Samstag, 22 April 2006 )
 

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