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Heimat aus dem Regal

Dass immer mehr Polen in Deutschland leben, ist nichts Neues. Dass sie sich dort an immer mehr Orten ein Stück ihrer alten Heimat aus dem Verkaufsregal holen, hingegen schon. Die polen-rundschau hat sich im wohl größten polnischen Supermarkt Deutschlands umgesehen.

Delikatessen aus PolenDie Stadt Berenbostel vor den Toren Hannovers hat nicht viel zu bieten. Nun gut – immerhin 800 Jahre Geschichte, drei Kirchen, zwei Gewerbegebiete und eine Bundesstraße. Das Matjesfest im Sommer und der Nikolausmarkt Anfang Dezember sind die Höhepunkte des Jahres für die 14500 Einwohner. Nichts also, was deutschlandweite Aufmerksamkeit hervorrufen könnte.

Seit Mai dieses Jahres ist das anders. Denn seitdem ruht mitten im Ortskern Berenbostels ein Eiland polnischer Lebensqualität. „Delikatessen aus Polen“ heißt das Geschäft und beherbergt auf 400 Quadratmetern 3000 ausschließlich in Polen hergestellte Waren. In den Regalen gibt es einfach alles, was die polnische Küche zu bieten hat.

Der Supermarkt – ganz modern mit Automatiktüren und Scannerkasse – ist Teil einer polnischen Erfolgsgeschichte. Seniorchef Marius Weiss verließ Polen mit der Wende und eröffnete nördlich von Hannover einen Handel für Kfz-Ersatzteile. „Nein, kein Export alter Autos. Ich habe nur Teile aus Polen nach Deutschland geholt“, sagt der 45-jährige. Später kam ein Internet-Versandhandel hinzu. Weiss schuf Arbeitsplätze – deutsche Arbeitsplätze.

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Das Erfolgsrezept des Vaters hat Sohn Martin auf die polnischen Lebensmittel übertragen. Zuerst eröffneten die beiden einen kleinen polnischen Lebensmittelladen in dem Dorf, in dem auch ihr Ersatzteilhandel steht. Das Geschäft florierte. Eineinhalb Jahre ist das erst her. Vor einem Jahr folgte der Versandhandel per Internet und die ersten polnischen Biere, Kekse und Konserven gingen auf Reisen.

Anfang 2006 folgte der nächste Schritt. Sohn Martin (21) mietete in Berenbostel Räume an, in denen kurz vorher ein Geschäft für Tiernahrung Pleite gegangen war. Wo vorher Katzenfutter und Hundeknochen lagen, reihten sich bald polnische Lebensmittel aneinander. „Es lief, die Leute kamen sofort“, sagt Marius Weiss. Er setze aber vor allem auf die Zukunft des noch jungen Internethandels.

„Die Polen in Ostfriesland oder so, auf dem platten Land weit ab vom Schuss, für die ist so etwas doch ideal“, hofft er. Einzig in den Genuss der Frischwaren kommen die Internetkunden nicht. Dabei ist die zehn Meter lange Wursttheke im polnischen Supermarkt so etwas wie der Höhepunkt des Einkaufsbummels. „Ich hole mir hier jede Woche meine Wurst. In ganz Deutschland gibt es nichts, das so ähnlich schmeckt", sagt eine Kundin. Und auch der 23-jährige Sebastian ist da ganz pragmatisch: „Ich bin vor vier Jahren aus Polen weg. Deutschland ist nett, aber das Bier schmeckt halt nicht."

Elf Mitarbeiter beschäftigen Vater und Sohn mittlerweile in den beiden Läden, im Einkauf und im Versandhandel. Laut ihrer vielen Lieferanten aus ganz Polen ist ihr Supermarkt in Größe und Auswahl einmalig in Deutschland. Zweisprachigkeit ist Pflicht für Weiss' Angestellte, deswegen stammen alle aus Polen. Wie geht es weiter, wird expandiert? Marius Weiss ist zuversichtlich. „Das mit dem Internet, das hat Zukunft“, sagt er. Und ein dritter Laden sei ja auch denkbar. Schließlich werfe die Idee etwas ab. Über Zahlen möchte er nicht reden. „Die Leute kaufen, es läuft gut.“ Aber jetzt einmal Hand aufs Herz: Liegt denn nun wirklich nur Polnisches in den Regalen?

Keine einzige deutsche Ware? Weiss muss lachen. „Es gibt da so einen Wodka. Ich glaube, der kommt aus Weißrussland. Aber der ist in Polen sehr beliebt“, sagt er. „Für deutsche Waren können Sie ja in den Lidl oder Aldi gehen. Wir – wir sind hier polnisch.“

www.delikatessen-aus-polen.de



Autor: Heiko Lossie   
Sonntag, 10 Dezember 2006
Letzte Aktualisierung ( Montag, 29 Januar 2007 )
 

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