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Sex-Vorwürfe gegen Vize-Regierungschef Andrzej Lepper | Sex-Vorwürfe gegen Vize-Regierungschef Andrzej Lepper |
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Die Regierungskoalition in Warschau kommt nicht zur Ruhe. Nachdem die Bauernpartei Samoobrona im Herbst von Premierminister Jaroslaw Kaczynski aus der Regierung geworfen worden war, nur um kurze Zeit später doch wieder in die Koalition zurück zu kehren, rütteln nun Skandale an den Grundfesten der Regierung. Die nationalistisch-katholische Polnische Familienliga (LPR) wurde Anfang Dezember zunächst in einen so genannten Nazi-Skandal verstrickt, nachdem die Tagszeitung Dziennik bewegte Bilder von faschistischen Feiern ihrer Jugendorganisation gezeigt hatte. Die so genannte „Allpolnische Jugend“, aus der LPR-Parteichef und Vize-Regierungschef Roman Giertych selbst hervor gegangen ist, war schon des Öfteren mit extrem rechtem Gedankengut in Verbindung gebracht worden. Im letzten Jahr waren etwa Fotos aufgetaucht, auf denen Mitglieder der Vereinigung beim Hitlergruß abgelichtet worden waren. Damals redeten sich die Verantwortlichen mit fadenscheinigen Argumenten heraus, der angehobene Arm sei nur ein Gruß an den Fotografen gewesen oder die Geste beim Bestellen eines Biers. Diesmal war die Lage eindeutiger: Die Filmaufnahmen zeigten eine Gruppe Funktionäre der Jugendorganisation, die um ein feierlich brennendes Hakenkreuz versammelt waren und mehrmals „Sieg heil“ riefen. Einige der Beteiligten haben auch wichtige Positionen in der LPR. Parteichef Giertych verurteilte die Ausschweifungen, wollte aber keine Gefahr für den Bestand der Regierungskoalition sehen. Wenige Tage später veröffentlichte die Gazeta Wyborcza ein Gespräch mit einer ehemaligen Ratsfrau der Samoobrona aus der Wojewodschaft Lodsch. Die Frau, die zunächst unerkannt bleiben wollte, sich im Laufe der nächsten Tage aber als Aneta Krawczyk zu erkennen gab und auch im Fernsehen auftrat, behauptet, mit Parteichef Andrzej Lepper und mit Stanislaw Lyzwinski, einem führenden Samoobrona-Abgeordneten, geschlafen zu haben, um einen Posten als Büroleiterin von Lyzwinski zu erhalten. Sie sei von beiden sexuell ausgenutzt worden. Außerdem habe sie ein kleines Kind von Lyzwinski, der sie mit kriminellen Mitteln zur Abtreibung habe zwingen wollen. Lepper und Lyzwinski bestritten die Anschuldigungen energisch, das Ergebnis eines Vaterschaftstests war zu Redaktionsschluss noch nicht bekannt. Premierminister Kaczynski stellte klar, dass er in seiner Regierung keine Minister dulde, die solche Dinge getan hätten. Die Ermittlungen müssten aber abgewartet werden. Weitere Frauen, die früher in der Samoobrona aktiv waren, bestätigten zum Teil die Vorwürfe Aneta Krawczyks, während führende Samoobrona-Vertreter von einer gezielten Aktion politischer Gegner sprachen, um die Regierungskoalition zu zerstören. | |
| Autor: Mirko Kaupat | |
| Samstag, 09 Dezember 2006 | |
| Letzte Aktualisierung ( Sonntag, 10 Dezember 2006 ) |